Deutsche Einheit am Balaton - Das Projekt

1989, ein Jahr der Umbrüche. Im Laufe des Sommers gelingt es Tausenden DDR-Bürgern, über Ungarn unbeschadet die westliche Grenze zu passieren, bis die gesamteuropäischen Ereignisse schließlich – entgegen beunruhigender Anzeichen – in die friedliche Revolution münden.

All das wäre so nicht möglich gewesen, wenn Ungarn nicht während des Kalten Krieges eine ungewöhnliche, gleichwohl sehr wichtige Rolle in den deutsch-deutschen Beziehungen gespielt hätte: Für unzählige getrennte Familien war Ungarn, insbesondere der Balaton (Plattensee), in den 60er, 70er und 80er Jahren ein Ort der Begegnung, der im privaten Bereich, weit vor den Ereignissen von 1989/90, einen Ort der Begegnung und des unzensierten Austauschs darstellte – einen Ort deutsch-deutscher Einheit im Privaten.

Diesen Teil der deutsch-ungarischen Beziehungen gilt es, für die Geschichtsschreibung neu zu entdecken.

Anhand von Amateurfilm- und Fotomaterial sowie Zeitzeugenberichten würdigt das CHB, die ›private‹ Geschichte dieser deutsch-deutschen Verbindungen in einer multimedialen Ausstellung. Unter dem Titel Deutsche Einheit am Balaton – Die private Geschichte der deutsch-deutschen Einheit gibt sie einen facettenreichen Einblick in das Zusammenspiel von privaten und offiziellen Begebenheiten, Paprikaträumen und Staatssicherheit im Dreieck DDR, BRD und Ungarischer Volksrepublik.

Auf der Suche nach diesen Geschichten ist das CHB auf eine Vielzahl ganz unterschiedlicher persönlicher Schicksale gestoßen. Vater und Sohn, die sich nach Jahren der Trennung das erste Mal wieder am Balaton gegenüberstanden, Freundschaften, die dort im Sommerurlaub begannen und bis heute bestehen, junge Lieben, die sich gegen die Trennung stemmten und letztlich vor einer Flucht über die Grenze zurückschreckten oder sie doch überwanden. Und natürlich gehören dazu auch eine ganze Reihe jener Begebenheiten, die noch heute die Klischees von Ost und West prägen und das Zueinanderfinden erschweren. Der Balaton als Sammelbecken deutsch-deutscher Vorwendegeschichten.

Für die Ausstellung werden aus den gesammelten und archivierten Materialien einzelne Biografien exemplarisch vorgestellt, deren Entwicklungen über die Jahrzehnte des untersuchten Zeitraums hinweg verfolgt werden können; so wird Zeitgeschichte am privaten Schicksal erfahrbar.
Für die Produktion der audiovisuellen Module (Screenings) konnte der international renommierte Regisseur Péter Forgács gewonnen werden, der die Filmreihe Privates Ungarn begründete und für seinen filmischen Ansatz bekannt ist, aus privaten Aufnahmen und Momenten bewegende Geschichtsdokumentationen zu kreieren.

Eine Reihe von Begleitveranstaltungen erweitert während und nach der Ausstellung das Angebot. Mit dem Aufbau eines Archivs wird ein Grundstein für zukünftige vertiefende Auseinandersetzung und Forschungen gelegt.