![]() "Leipzig, 18. April 1945" Das Missverständnis - Auf den Spuren von Robert Capa. Eine Ausstellung von Balázs Kicsiny |
Vernissage |
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Doppelvernissage mit Endre Kovács: Temporäre Amnesie. Budapest 1965–1971. Eröffnung durch Thomas Friedrich (Monat der Fotografie / Berlin, Kurator)
Wie landet Robert Capa im CHB? Was ist am 18. April 1945 in Leipzig passiert? Wo sind die Schnittpunkte zwischen Fotografie, künstlerischer Imagination und historischer Wirklichkeit sowie der installativen Großinszenierung einer Traumdeutung?
Auf den Spuren von Robert Capa wird Balázs Kicsiny mit drei installativen Anordnungen und einem Film den Mechanismen und Vernetzungen der kollektiven Traumata in visionären Szenarien im und am CHB auf den Grund gehen. Robert Capa ist der Fotograf des 20. Jahrhunderts par excellence, der die Quellen dieser Traumata in seinen Kriegsberichterstattungen in einzigartiger Weise festhielt. Kicsinys zentrales Thema ist die Frage nach den unterschiedlichen Identitätskrisen dieses „posttraumatischen Zustands“. Der Schulterschluss der beiden künstlerischen Positionen, das Hinterfragen des Genres und das inter-mediale Experiment in dieser Großinszenierung sehen sich als eine Neupositionierung der Interpretation von Fotografie im zeitgenössischen Kunstkontext. Es gilt, das Genre der Fotografie durch den Wechsel des Mediums auf die im aktuellen Kunstdiskurs verankerten Probleme der Erinnerung, Authentizität, Reflexion und Relevanz zu hinterfragen.
In der Moholy-Nagy Galerie in der 1. Etage ist die für das CHB konzipierte Installation Kicsinys mit dem Titel „Leipzig, 18. April 1945 – Das Missverständnis“ zu sehen. Robert Capas gleichnamige schockierende Fotografie eines sterbenden amerikanischen Fallschirmjägers, der gerade auf den Balkon eines Wohnhauses stürzt, ist der Zündpunkt von Kicsinys Auseinandersetzung mit der Vernetzung von fotografischer, historischer und realer Erinnerungskultur. Kicsiny setzt seine Erinnerungen an diese Fotografie in Szene – und im Sinne einer dreidimensionalen Traumdeutung fallen vier Fallschirmjäger ins CHB, die auf eine surreal anmutende Situation treffen.
Im Café im Erdgeschoss ist die auf der Venedig Biennale 2005 gezeigte Arbeit „Sweet Home“ aus der Sammlung Alain Servais zu sehen, die sich mit den Themen Exil, Migration, Heimweh und Heimatlosigkeit beschäftigt. Jenseits von Robert Capas und Kicsinys Biografien, die durchweg von diesen Themen geprägt sind, wird die Heimatlosigkeit der Künstler in der globalisierten Kunstwelt thematisiert.
Auf der Loggia des CHB (Außenfassade) navigiert ein Fluglotse die „Permanente Landung“ eines Flugzeuges, das aus Richtung Unter den Linden erwartet wird. Diese Arbeit wurde 2008 in einer slowakischen und ungarischen Synagoge sowie in einer katholischen Kirche in Österreich gezeigt.
Der Film „Der Schusterlehrling“ wurde ebenfalls auf der Biennale in Venedig 2005 erstmals gezeigt, wird jetzt aber durch die Projektion auf die Fassade des Hauses im Kontext der drei Installationen neu definiert.
Balázs Kicsiny ist einer der bedeutendsten Vertreter zeitgenössischer mittel-osteuropäischer Kunst, dessen Werk auch im internationalen Kontext auf große Resonanz stößt. Ausstellungsorte sind bspw. Biennale in Venedig, Museum of Foreign Art Riga, Museum of London sowie New York. Zurzeit ist Kicsiny Professor an der Ungarischen Akademie der Künste und leitet das Doktorandenprogramm.
Das CHB freut sich, Kicsinys erste Einzelausstellung in Berlin präsentieren zu können. Diese Werkschau ist Teil einer Ausstellungsserie des CHB, das in der historischen Mitte Berlins die Präsenz der zeitgenössischen Szene in seiner Rolle als Impulsgeber, Initiator und Plattform von neuen, relevanten kulturhistorischen Fragestellungen verstärken möchte. |
11.03.2010, 18:00 CHB |


